Polizeiruf 110 Rostock: … und raus bist du!

Polizeiruf 110: … und raus bist du!© NDR/Christine Schröder
Sender:NDR/ARD
Produktionsfirma:filmpool, Iris Kiefer, Ilka Förster
Regie:Christian von Castelberg
Redakteur:Daniela Mussgiller
Darsteller:Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner
Erstausstrahlung:22.05.2011

Beschreibung

Ein alter Mann liegt ermordet in einem alten Auto, drei Bengel singen: "Oh Tannenbaum, oh Tannebaum, der Opa liegt im Kofferraum." Der Alte hatte offenbar im Müll einen "Sechser im Lotto" gefunden, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Bukow ("Police Department Rrrostock!") und König ermitteln im Milieu der Müllsammler, am Rande der Gesellschaft, nicht ganz unten, sondern dort, an der Klippe, wo man jederzeit abzurutschen droht nach ganz unten und ziemlich strampeln muss, um sich über Wasser zu halten. Und wo das ganz große Glück scheinbar in ganz weiter Ferne, unerreichbar, aber Jammern darüber auch verboten ist.  Hubert Spiegel in der F.A.Z.: "Fernsehkrimi und Sozialkritik, diese Kombination bringt seit Jahrzehnten viel Leid in deutsche Wohnzimmer. Und auch die vierte Folge des neuen Rostocker „Polizeirufs” hätte alle Zutaten, um es sich im Sonntagabendschmalz-töpfchen der guten Gesinnung bequem zu machen: Da ist der Kommissar mit Milieuvergangenheit, die kühle Kollegin mit der Schwachstelle Adoption, der aasige Geschäftemacher, die um ihre Tochter kämpfende Mutter und das pittoreske Völkchen der Obdachlosen.
Aber Drehbuchautor Wolfgang Stauch und Regisseur Christian von Castelberg verstehen es, der eigentlich rührseligen Geschichte von der gestrandeten ehemaligen Karrierefrau, die aus Mutterliebe zur Erpresserin wird, unerwartete Facetten abzugewinnen. Statt auf Ironie, die das Pathos einfach nur bricht, setzt dieser „Polizeiruf” auf skurrilen schwarzen Humor, der das Komische im Tragischen und das Tragische im Komischen zum Vorschein bringt. Der Schrotthändler Gehring etwa wird von Jan Georg Schütte so durchgeknallt und zugleich berührend gespielt, als hätten die Coen-Brüder einen Abstecher nach Rostock gemacht und verkündet, dass Tragödie und screwball-comedy nahe Verwandte sind."


Rezensionen

Für den Traum vom Leben
Ein Toter wird in einem Autowrack gefunden. Vor dem ausgeweideten Fahrzeug stehen neugierige Kinder. Als sie die Leiche zu Gesicht bekommen, schreien sie nicht, und sie stehen nicht starr vor Schreck. Die Kinderlein singen: „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Opa liegt im Kofferraum”. Lässt sich daraus eine Erkenntnis über den Ort des Verbrechens gewinnen?
Köln kann es nicht sein, dort würden sich sofort die Talentsucher der Privatsender und der Karnevalsvereine um die jungen Sänger streiten, in München hätte man sie schleunigst einer Familientherapie unterzogen, und in Stuttgart wären sie dank säuberlich markierter Absperrungen ohnehin nie so nah an das Autowrack herangekommen. Wir sind in Rostock, der Heimatstadt Walter Kempowskis. Hier ist man hartgesotten und trägt seinen weichen Kern nicht allzu dicht unter der harten Schale. Man hat Humor, allerdings einen, der nicht überall geteilt wird, und verfügt über Durchhaltevermögen: Das Wissen, dass sich die Welt nicht schöntrinken lässt, ist lange kein Grund, einfach mit dem Saufen aufzuhören.

– Hubert Spiegel, F.A.Z.


Eine Komödie ist in der Regel eine Geschichte, in der den Figuren dauernd lustige Missgeschicke passieren, während sie unverdrossen Pointen von sich geben. So gesehen ist dieser "Polizeiruf" aus Rostock alles andere als komisch. Die Geschichte spielt ganz unten, wo sich die Menschen an die Hoffnung klammern, weil es das letzte ist, was sie haben. Zentrale Figur neben dem Ermittler-Team ist eine Frau, die innerhalb weniger Jahre alles verloren hat: ihren Beruf, ihr Haus und nun auch noch ihre Tochter. Und im Hintergrund geht es um die illegale Deponierung von Sondermüll auf einer dafür nicht vorgesehenen Müllkippe.
Trotzdem wartet das ausgezeichnete Drehbuch von Wolfgang Stauch auf verblüffende und regelmäßig unerwartete Weise mit einem Humor auf, der den Krimi mindestens zur Tragikomödie macht.

– Tilmann P. Gangloff, evangelisch.de


Wer ist hier der Penner? Der NDR-"Polizeiruf" nimmt das moderne Müllprekariat ins Visier - und zeigt Menschen, die um ihre Restwürde ringen. Christian Buß attestiert dem Krimidrama einen feinen Slang und famosen Humor: Bulle Bukow sieht abgewrackter aus als jeder Obdachlose.

– Christian Buß, Spiegel online


Die Eingangssequenz, die den Verfall eines herrenlosen Autos zeigt, ist eine wahre Freude und der Zuschauer spätestens gewonnen, wenn beim Leichenfund auf einem Schrottplatz zwei vorlaute Gören singen: "O Tannebaum, o Tannebaum, der Opa liegt im Kofferraum".
Drehbuchautor Wolfgang Stauch hat seine Figuren mit einigen famosen Sprüchen bedacht - und mit ernsthaften Belangen unterfüttert:

– Harald Keller, taz


Es ist erst der vierte Fall, in dem wir Anneke Kim Sarnau als Profilern Katrin König und Charly Hübner als Hauptkommissar Alexander Bukow beim Ermitteln in Rostock zusehen dürfen. Doch für den Autor dieser Zeilen steht bereits fest: Es gibt nicht viel Besseres, Frischeres, was Tatort und Polizeiruf 110 derzeit zu bieten haben. Knifflige Geschichten, starke Charaktere, viel Lokalkolorit und zwei in ihrer Ungleichheit großartige Akteure. Diesmal finden sie einen toten Rentner im Kofferraum eines Schrottautos und landen bei ihren Ermittlungen im brackigen Milieu illegaler Müllentsorgung . Wir folgen ihnen und begegnen Menschen, die sozialer Schiffbruch stranden ließ. Dass der Film dabei die tragikomische Balance hält, ist eine seiner Stärken.

– Sigurd Schwager, Thüringer Allgemeine.de


Das exzellente, mit manchem derben oder bitteren Scherz garnierte Drehbuch von Wolfgang Stauch ist weit mehr als ein Krimi mit zwei verschränkten Handlungssträngen und einem mehrere Folgen überlagernden Plot um Korruption im Polizeidienst. „...und raus bist du!“ ist eine schnörkellose Tragikomödie über illegal deponierten Sondermüll auf der einen Seite und eine obdachlose Mutter ohne Kind auf der anderen. Regisseur Christian von Castelberg hat schon viele hochkarätige Fernsehspiele inszeniert. Auch bei diesem NDR-„Polizeiruf“ beweist er sein unprätentiöses Einfühlungsvermögen. (...) „...und raus bist du!“ ist allerfeinste, intelligent servierte Krimi-Kost alter Schule.

– Ulrike Frick, Kreiszeitung Syke, Oberbayerisches Volksblatt u.a.


Man trinkt „Rebenglück“, man sammelt Altmetall, man ist also abgestürzt. Der „Polizeiruf 110“ ist klug genug, nicht im Sozialdrama zu versinken. Schauspieler und Sprüche sind wirklich guter Jahrgang.

– Carin Pawlak, Focus online


Spätestens, als einige unvermittelt aufgetauchte Kinder beim Anblick des Aufhängers des neuen «Polizeiruf 110», der Leiche im Auto, «Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Opa liegt im Kofferraum» singen, wird klar, dass das kein Anfang für einen gewöhnlichen Krimi sein kann: Was Drehbuchautor Wolfgang Stauch («Die Seele eines Mörders») und Regisseur Christian von Castelberg («Der Tote im Spreewald») hier als vierten Fall des neuen Rostocker «Polizeirufs» inszenieren, ist in der Tat mehr als schräg. (...)

– Die Kritiker, Quotenmeter.de


Erpressung und Mord kommen im jüngsten Fall des Rostocker „Polizeiruf“-Teams mit Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner als Ermittler zusammen. Die beiden werden mit jedem Fall besser, was auch daran liegt, dass König ihren Kollegen wegen eines Dienstvergehens in der Hand hat und dies eine Grundspannung erzeugt.
Toll ist auch das übrige schräge Personal - allen voran Ursina Lardi als Gestrauchelte mit Hackenporsche und Jan Georg Schütte, der als Schrotthändler durch Überhöhung alle Register zieht.

– Petra Noppeney, Münsterländische Volkszeitung


Es ist die merkwürdige Anziehung zwischen zwei Menschen mit völlig verschiedenem Hintergrund, die auch diesmal fasziniert. Wolfgang Stauch (Buch) und Christian von Castelberg (Regie) erzählen die Beziehung in dieser Episode konsequent weiter, fügen neue Facetten hinzu.
Diesmal ist es gar nicht so sehr der Fall, der das Interesse erweckt, sondern die Menschen, die diesen Krimi bevölkern. Verlierer sind sie alle, Aussortierte und Vergessene, der so genannte Bodensatz der Gesellschaft. Sie wühlen im Dreck, um sich beim Schrott-Zampano Gehring (genial: Jan Georg Schütte) ein paar Cent hinzu zu verdienen.
Überhaupt dieser Gehring: Selten hat man in einem Tatort oder Polizeiruf eine skurrilere Type gesehen.

– Tobias Köberlein, news.de


In zweiter Ebene geht es um die Fallhöhe. Privat und wirtschaftlich. Hartz IV als Gespenst derjenigen, die Arbeit haben, bringt die Spirale in Bewegung. Christian von Castelberg (Regie) und Wolfgang Stauch (Buch) vermeiden die Elendsoberfläche. Und sie haben Jan Georg Schütte, dessen Spiel als Schrotthändler allein die 90 Minuten lohnt. Leicht unbehaglich darf man sich am Ende durchaus fühlen. Müll ist eine Währung, und sie wird teuer bezahlt.

– Nikolai B. Forstbauer , Stuttgarter Nachrichten


Es ist eine Parallelwelt voller Drop-outs und skurriler Gestalten, in die das Rostocker Polizeiruf-Team in "... und raus bist du" eindringt. Der Film von Drehbuchautor Wolfgang Stauch ("Unter Verdacht") und Regisseur Christian von Castelberg ("Bella Block") bewegt sich jedoch gekonnt auf dem schmalen Grat, die Schicksale zu zeigen, aber nicht vorzuführen, die Figuren ernst zu nehmen, aber mit einem Augenzwinkern zu betrachten.

– sw, Kino.de


Trotz Armenhaus Ost mit den abstrusen Überlebensstrategien, die die Menschen sich zurechtzimmern, ist von Castelbergs Film kein Trauerkloß-Krimi. Das Ganze ist nicht nur realistisch spannend, sondern bisweilen auch schön schräg und absurd, heutig sozialkritisch – und vor allem die Charaktere sind immer für eine Überraschung gut.
Der vierte „Polizeiruf“ aus Rostock rührt im Bodensatz der Gesellschaft – dort, wo man von Hartz IV nur träumen kann, bei Müll- und Schrottsammlern, bei Obdachlosen, die in leer stehenden Plattenbauten hausen und sich für etwas Metall und unnütze Utensilien ein paar Cents beim Schrotthändler abholen. „Der Krimi erzählt sich ja meistens von selbst – da kann man die Energie auf die Figuren legen“, sagt Regisseur Christian von Castelberg. Und die sind in der Tat hoch spannend – sowohl in ihren schrägen Biographien als auch den nicht minder schrägen Darstellungen ihrer Schauspieler.
Bemerkenswert an „…und raus bist du!“ ist die Tonlage. Trotz Armenhaus Ost mit den abstrusen Überlebensstrategien, die die Menschen sich zurechtzimmern, ist von Castelbergs Film kein Trauerkloß-Krimi. Die Konstruktion des Verbrechens, die man in einem mittelmäßigen Whodunit vielleicht mit „überkonstruiert“ abtun würde, diese unglückliche Kettenreaktion, die dem abstrusen Krimiplot zugrunde liegt, sie passt zu den Geschichten. Und dazu wiederum passen die sprunghaften Figuren, bei denen man nie so genau weiß, woran man bei ihnen ist. Der Film ist sozialkritisch, aber weil er zugleich physisch spannend ist, weil er schnell ist, dennoch psychologisch genau, weil er realistisch wirkt und doch seltsam überhöht und stets für eine Überraschung gut ist, ist er nicht sozialkritisch nach Altvätersitte. 

– Rainer Tittelbach, tittelbach.tv


Verglichen mit dem, was einem die Rostocker 'Polizeiruf'-Macher bisher so angeboten haben, gestaltet sich der neue Fall (Buch: Wolfgang Stauch) fast schon wieder überschaubar komplex. (...) Indes zeigt sich einmal mehr: Es gibt Interessanteres als Morde, Motive, Alibis und Spurensicherung. Hier geht's um das ungebrochen aufregende Spannungsverhältnis zwischen zwei Bullen mit konträrer Lebensauffassung. Und es geht um ein wild-chaotisches Geflecht von abgebrannten Verlierergestalten, für die Regisseur Christian von Castelberg teils großartige Schauspieler (überragend: Jan Georg Schütte als schräger Schrotthändler) gefunden hat.

– Jens Szameit, teleschau - der mediendienst u.a.


Der vierte Rostocker "Polizeiruf 110" schließt nahtlos an die Qualität der drei Vorgänger an. Getragen vom guten Spiel der beiden so gegensätzlichen wie unkonventionellen Ermittler, die von Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner einmal mehr gekonnt mit Leben gefüllt werden, trumpft auch dieser Fall mit atmosphärisch dichter Milieu- und schlüssiger Figurenzeichnung auf. Allerdings kommt in dieser Episode, die Krimi-Spezialist Christian von Castelberg nach einem Drehbuch von Wolfgang Stauch ("Unter Verdacht") inszenierte, auch die Spannung nicht zu kurz. Inzwischen ist der Rostocker Polizeiruf längst ein Quotengarant, denn mit regelmäßig weit über sieben Millionen Zuschauern fesselt er eben so viele Zuschauer vor dem Fernseher wie etwa gute "Tatort"-Folgen.


 

– Kölner Express.de


Die Grundstimmung bleibt angenehm lakonisch. "Was machen wir eigentlich mit der Leiche, wenn wir den Erpresser erledigt haben?", fragt der Mülldeponiebetreiber seinen Assistenten. "Ganz einfach", antwortet der, "die esse ich auf." Hinterher verspeist er zum Frühstück ein blutiges Steak.
 

– Harald Peters, Welt online


Vorab eins: Jan Georg Schütte als Schrotthändler Lukas Gehring ist eine Schau. Kann man diesem Mann nicht eine Comedy-Show geben oder eine Serie nach dem „Stromberg“-Konzept?
 

– Bettina Fraschke Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung


Der vierte Film des viel gelobten Rostocker Teams besticht durch Lokalkolorit und schöne Bilder, einen wendungsreichen Fall sowie eine Reihe kurioser, grell gezeichneter Charaktere. Etwas abgedreht, aber mit starken Figuren.

– TV Spielfilm


Schlau & spannend.
 

– TV Movie


Überzeugend: Toll gezeichnete Typen und ein konträres Ermittlerduo bringen Witz und Spannung in die Story.

– Hörzu