„Großes Loser-Kino“ (Spiegel online): ‘Der Andi ist wieder da’ - am 18.3. in der ARD

Der Ecki ist fest davon überzeugt, den Andi beschützen zu müssen© SWR Alexander Kluge

Seine kleine badische Heimatstadt hat Andreas Schäfer nach der Schulzeit so schnell wie möglich hinter sich gelassen. Er ging nach Berlin, um Architekt zu werden und Ehrgeizigeres zu bauen als Einfamilienhäuser in der Provinz.

Jetzt, viele Jahre später, steht er vor dem beruflichen Aus. Weil er nicht weiß, wie es weitergehen soll, flieht Andi erst mal zurück nach Ellingen, wo ihn Mutter Hilde und der behinderte Bruder Ecki freudig empfangen: „Der Andi ist wieder da!“ (Trailer bei TV-Spielfilm ansehen.)  

Aber mit seinem mittleren Bruder Micha steckt er sofort in den alten Konflikten, zudem war das Verhältnis zum Vater ohnehin nie gut und wird auch jetzt nicht harmonisch.

Andi bringt es nicht fertig, der Familie seine prekäre Lage einzugestehen, und gibt den Überflieger, der nur mal eine kleine Pause macht. Zumal es sich herausstellt, dass Micha und der Vater im Handwerksbetrieb der Familie massive Schwierigkeiten haben. Je länger Andi bleibt, desto mehr spitzen sich die Spannungen zwischen den Männern zu, und diesmal lassen sich die Gründe dafür nicht wieder totschweigen.

Was bedeutet Heimat einem modernen Großstädter? Kann er etwas damit anfangen, ist sie womöglich ein Zufluchtsort in schwierigen Zeiten? Oder doch eher ein Hemmschuh auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Identität? Für Andi ist die Provinz, in der er mal Zuhause war, eine ambivalente Angelegenheit. Und eigentlich ist sie das auch für die dort Zurückgebliebenen.

Glaubhaft und unaufgeregt erzählen Autor Wolfgang Stauch und Regisseurin Friederike Jehn in ihrem Film von den Zwängen, die durch Familienbindungen entstehen, vom Prüfstein, zu dem eine Familie werden kann, aber durchaus auch von Aufgehobensein und neuer Freiheit.

(Quelle: www.daserste.de)

„Der Andi ... “ wurde bereits bei den Filmfesten in Ludwigshafen, Biberach und Stuttgart gezeigt, der Film ist eine Produktion von SWR (Brigitte Dithard & Manfred Hattendorf) und Maranfilm (Uwe Franke & Sabine Tettenborn). Hinter der Kamera stand Jürgen Carle und davor standen u.a.  Nicholas Reinke, Michael Kranz, Tilo Prückner, Dagmar Leesch und Emanuel Fellmer. 

Über alldem“ - schreibt Jens Szameit ('teleschau - der mediendienst') - „schwebt die universale Frage nach dem diffusen Gefühl von Heimat, einer emotionalen Zugehörigkeit, die einen jeden betrifft und doch so selten im Fernsehspiel ernsthaft und mit der gebotenen Ambivalenz verhandelt wird. In Deutschland werden die abgründigsten Krimis gedreht, die schaurigsten Mittelalterschinken, die aufrüttelndsten Brennpunktdramen, die dunkelsten Weltkriegsstücke und manchmal sogar ein Katastrophenfilm. Aber dass mal einer unerschrocken in die unendliche Schönheit und Traurigkeit einer völlig banalen Allerweltsexistenz blickt, darauf wartet man regelmäßig gefühlte Jubeljahre. Auch deshalb ist einem nach diesem großartigen Film nach heulen zumute.“

„Ein“, meint TV-Spielfilm, „leiser Film mit differenzierten Charakteren. Die Geschichte von Wolfgang Stauch („Unter Verdacht“) dreht sich um den Gegensatz von Stadt und Land, geplatzte Träume und Schuldgefühle. Man kann sich darin wiedererkennen, und man erlebt ein kleines Stück deutscher Wirklichkeit. Vielsagender, kleiner Film mit glaubhaften Figuren.“

Und Christian Buß schreibt bei Spiegel online: „Drehbuchautor Wolfgang Stauch, der exquisite, eigenwillige Fernsehkrimis wie den Müllsammler-„Polizeiruf“ aus Rostock geschrieben hat, entflechtet mit leichter Hand das Drama einer Selbstverleugnung. Es geht um große Themen wie Schuld, Verrat, Bruderhass. Der Sound aber ist heiter bis wolkig; die für eine ARD-Primetime-Produktion ausgewählt gute Musik mag daran ihren Anteil haben. In der Mitte erklingt in fast voller Länge noch so ein Hamburger Lied: „Das Leichteste der Welt“ von Kid Kopphausen, dem Bandprojekt von Gisbert zu Knyphausen und dem vor zwei Jahren verstorbenen Nils Koppruch. Wie das Lied so der Film: voller Melancholie und doch mit flottem Puls nach vorne strebend.“

Und Sybille Simon-Zülch stellt in epd medien die Frage: „Mag man einem Protagonisten, der so viel berechtigten Zorn und Spott auf sich zieht, 90 Minuten lang folgen? Ja, wenn er so charmant und humorvoll spielt wie Nicholas Reinke. Dieser Andi ist ein charakterloser Kerl, den man mit Vergnügen unsympathisch findet. Übertroffen wird er nur noch von Tilo Prückner, dem trunksüchtigen, in mürrisches Brüten versunkenen Vater. (...) Seine Auftritte sind, sogar im stummen Brüten, eine Wucht. (...) Was bleibt, ist die Erinnerung an einen warmherzigen, mit Humor gewürzten Heimatfilm.“

über das Projekt